vor einiger Zeit reiste ich mit meiner damaligen Freundin nach Würzburg. Es ist eine wunderschöne Stadt mit einer ganz besonderen Atmosphäre: Anders als im Rest von Deutschland, den ich kannte, trifft man sich dort auf den Straßen nicht auf ein Bier, sondern auf ein Glas Wein.
An diesem Abend lernten wir ein anderes lokales Paar kennen. Sie waren sehr lustig. Wir kamen ins Gespräch, sie erklärten uns Dinge über die Stadt, wir tauschten Reisegeschichten aus und zwischen Gesprächen und Weingläsern waren wir vier schon in bester Stimmung.
Und da fing mein Problem an.
In einem Moment des Abends merkte ich, dass ich absolut nichts mehr verstand von dem, was geredet wurde.
Ich konnte vereinzelte Wörter aufschnappen. Ich konnte den Tonfall erahnen. Aber ich hatte völlig den Faden verloren. Das Deutsche war zu einem verschwommenen Rauschen geworden. Ich wusste nicht, worüber sie sprachen oder an wen sie sich richteten. Ich fühlte mich komplett stumm und frustriert.
Die unerwartete Beichte
Als wir endlich im Hotel ankamen, sah ich meine Freundin an und sagte halb im Scherz, halb ernst:
"Ich glaube, mit meinem Gehirn stimmt etwas nicht, denn ich habe nichts verstanden. Ich habe mein ganzes Deutsch vergessen."
Sie lächelte mich an und gestand mir etwas, das mich völlig entwaffnete:
"Ich habe auch nichts verstanden."
Ich war fassungslos.
"Wie ist das möglich?", antwortete ich ihr. "Das ist doch deine Muttersprache! Ja, sie haben schnell gesprochen und waren ein bisschen betrunken, aber es ist deine Sprache."
Der -ST Code (oder wie unser Gehirn wirklich zuhört)
Sie lächelte wieder und erklärte mir den Schlüssel, der alles verändern sollte:
"Es ist ganz einfach. Ich habe nicht auf jedes einzelne Wort gehört. Aber wenn sie sprachen und am Ende eines Verbs ein -st benutzten, wusste ich, dass sie mit mir sprachen. Und wenn sie am Ende ein -t benutzten, wusste ich, dass sie eine Frage stellten oder über dich sprachen. Der Rest war nicht so wichtig."
Ich starrte sie fasziniert an.
Ohne es zu merken, hatte sie mir gerade das größte Geheimnis der menschlichen Kommunikation verraten: Unser Gehirn hört keine perfekten Wörter, es hört Muster.
Im Deutschen enden fast alle Verben, die an ein "Du" gerichtet sind, auf -st. Das war das Anker-Muster. Wenn du das Muster hast, hast du die Kontrolle über das Gespräch, selbst wenn dir Vokabeln fehlen.
Sofort begann mein Informatiker-Verstand nach der Analogie im Spanischen zu suchen. Ich musste genau dieses Muster für meine Schüler finden, um sie aus dem Chaos der Auswendiglernerei zu befreien, in dem sie gefangen waren.
Und ich stellte fest, dass es im Spanischen genau gleich funktioniert.